Magenkrebs ist eine bösartige Erkrankung, die meist die magensaftbildenden Drüsenzellen der Schleimhaut betrifft (Adenokarzinom). Seltener entarten lymphatische (MALT Lymphom) oder Muskel- oder Bindegewebszellen (Sarkom).
Noch immer handelt es sich um eine recht häufige Krebserkrankung, auch wenn die Tendenz in Deutschland und Europa rückläufig ist. Männer sind etwas öfter betroffen als Frauen. Das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken steigt mit zunehmendem Alter. Unter 50 Jahren sind Fälle von Magenkrebs eher selten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Magenkrebs sind nicht bekannt. Es kommen aber verschiedene Risikofaktoren in Frage:
•    Ungünstige Ernährungsgewohnheiten: häufiger Verzehr stark salziger, geräucherter, gepökelter oder gegrillter Speisen (Entstehung von Nitrosaminen und anderen Kanzerogenen), geringer Verzehr von Obst, Gemüse und Ballaststoffen, Aufnahme von Schimmelgiften durch verschimmelte Lebensmittel
•    Rauchen und häufiger Alkoholkonsum
•    Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori und daraus resultierende Magenschleimhautentzündungen (Gastritis)
•    Vorliegen anderer Erkrankungen: Chronisch-atrophische Gastritis (Typ A), nicht ausheilende Magengeschwüre, Magenpolypen, chronisches Sodbrennen (Reflux), Operationen am Magen, Morbus Ménétrier (wuchernde Magenschleimhaut)
•    genetische Veranlagung

Beschwerden/Symptome

Magenkarzinome machen zu Anfang fast keine Beschwerden und werden deshalb meist sehr spät entdeckt. Auftretende Symptome sind zudem anfangs eher unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen des Magens hinweisen. Sollten Magen-Darmbeschwerden trotz Therapie länger als 6 Wochen anhalten, sollten Sie Ihren Hausarzt bzw. einen Gastroenterologen zur genaueren Abklärung aufsuchen.

Folgende Symptome können einen Hinweis auf Magenkrebs sein:
•    Anhaltende Oberbauchbeschwerden, wie Druckgefühl, Völlegefühl, Sodbrennen, Aufstoßen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Blähungen
•    Plötzlich auftretende Unverträglichkeiten oder Abneigungen gegen bestimmte Speisen, häufig Fleisch
•    In späteren Stadien: Erbrechen von Blut und Blut im Stuhl (Teerstuhl)  - Hinweise auf Magenblutungen
•    Anämie (Blutarmut) mit auffallender Blässe, Müdigkeit und Leistungsabfall (chronischer Blutverlust durch Magenblutungen)
•    Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust
•    Im fortgeschrittenen, metastasierendem Stadium: Wasser im Bauchraum (Aszites), Gelbsucht, Unterleibsbeschwerden bei Frauen

Diagnose

Bei länger anhaltenden Beschwerden und Verdacht auf Magenkrebs sollte eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt werden. Dazu führt der Arzt einen biegsamen Schlauch (Endoskop) über Mund und Speiseröhre des Patienten in den Magen bis zum Zwölffingerdarm ein. Über eine Kamera wird das Innere des Magens auf einem Monitor sichtbar. Zusätzlich kann mit einer über das Endoskop eingebrachten kleinen Zange aus auffälligen Arealen Gewebeproben entnommen werden. Diese werden danach histologisch untersucht und geben Aufschluss, ob es sich um einen Tumor handelt.

Ist die Magenkrebsdiagnose gesichert, wird der Tumor anhand der Gewebemerkmale genauer klassifiziert. Mittels endoskopischem Ultraschall (Endosonografie) kann dargestellt werden, wie tief der Tumor in die Magenwand eingedrungen ist und ob benachbarte Lymphknoten vergrößert bzw. befallen sind.   
Hinzu kommen Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) des Bauchraums und Computertomographie (CT) des Thorax- und Bauchraumes, um eine mögliche Metastasierung nachzuweisen bzw. auszuschließen. In einigen Fällen führen wir auch eine Laparoskopie, eine Spiegelung des Bauchraums von innen, durch.

Auf dieser Basis können wir die Ausbreitung des Tumors feststellen, die Erkrankung einem bestimmten Stadium zuordnen und Therapieoptionen ableiten. Diese werden in der interdisziplinären Tumorkonferenz, an der Gastroenterologen, Chirurgen, Radiologen, Onkologen und ggf. weitere Spezialisten teilnehmen, beraten. Am Ende steht ein individuell zugeschnittenes Therapiekonzept, das die größtmöglichen Aussichten auf Erfolg verspricht.

Behandlung

Operative / chirurgischeTherapie
Ziel der operativen Therapie ist es, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen und so eine Heilung des Magenkarzinoms zu erreichen. Im Anfangsstadium, wenn der Tumor noch auf die oberste Schicht der Schleimhaut begrenzt ist, kann er während einer Magenspiegelung entfernt werden (endoskopische Resektion). Dazu werden lediglich das Tumorgewebe und benachbartes Gewebe herausgeschnitten. Hat sich der Tumor bereits weiter ausgebreitet, wird der Magen teilweise oder ganz entfernt (Gastrektomie). In der Regel wird das dazugehörige Lymphabstromgebiet mit entfernt. Der Rest des Magens bzw. das Ende der Speiseröhre werden mit dem Dünndarm verbunden, um die Nahrungspassage wieder zu ermöglichen.
Bei fortgeschrittenem Magenkrebs behindert der wachsende Tumor häufig die Nahrungspassage. In diesen Fällen kann die Engstelle gegebenenfalls durch einen Stent überbrückt oder eine Ernährungsfistel zur künstlichen Ernährung angelegt werden.doskopische Gastrostomie).

Auch in der Magenchirurgie wird, insbesondere bei kleinen Tumoren, falls möglich, minimal-invasiv operiert. Bei der auch 'Schlüssellochtechnik' genannten minimal-invasiven Chirurgie, werden über kleine Schnitte in der Bauchdecke verschiedene chirurgische Instrumente in den Bauchraum eingebracht. Über eine Kamera kann der Arzt die Operation auf einem Monitor steuern. Mit Hilfe dieser Technik ist ein Entfernen des betroffenen Tumorgewebes ebenso erfolgreich möglich wie bei einem großen Bauchschnitt.

Medikamentöse Therapien
In einigen Fällen wird die Chemotherapie bereits vor einer Operation durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern und die Erfolgsaussichten der Operation zu erhöhen (neoadjuvante Chemotherapie).

Ist eine vollständige Entfernung des Tumors durch eine Operation nicht möglich oder ist es bereits zu einer Metastasierung gekommen, kommt als Therapieoption eine palliative Chemotherapie in Frage. Auf diese Weise soll der Tumor und seine Metastasen verkleinert bzw. das Wachstum verlangsamt werden. Die Überlebenschancen der Patienten können so erhöht und die Lebensqualität verbessert werden.

Bei fortgeschrittenem, metastasierendem Magenkrebs können bei einem Teil der Patienten ergänzend zur Chemotherapie sogenannte zielgerichtete Medikamente (targeted therapies) auf Antikörperbasis angewendet werden. Diese wirken direkt auf die Stoffwechselvorgänge der Krebszellen. Die Medikamente basieren auf verschiedenen Wirkmechanismen, die auf unterschiedlichen Wegen das Fortschreiten der Erkrankung verhindern sollen. Für die Behandlung von Magenkrebs sind bisher zwei Medikamente zugelassen, die entweder die Blutversorgung oder das Zellwachstum des Tumors hemmen. Welches Medikament das erfolgversprechendste ist, lässt sich nur individuell, auf Basis der histologischen Eigenschaften des Tumors und weiterer Faktoren klären. Hinzu kommt die Abwägung möglicher Nebenwirkungen, die auch bei diesen Medikamentengruppen auftreten können. In der interdisziplinären Tumorkonferenz beraten die beteiligten Spezialisten ausführlich über den bestmöglichen Ansatz.

Eine vollständige Heilung im fortgeschrittenen Stadium ist auch mit diesem noch recht neuen Therapieansatz derzeit leider nicht möglich. Allerdings führen die Medikamente in vielen Fällen zu einer längerfristigen Eindämmung der Erkrankung und damit zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität.

Integrative Therapien
Während des stationären Aufenthaltes in Havelhöhe verbinden wir die schulmedizinischen Therapien mit integrativen Behandlungen, die Ihnen helfen, Ihre Selbstheilungskräfte zu stärken, das Immunsystem zu aktivieren und Kräfte zu mobilisieren.
Als begleitendes naturheilkundliches Medikament steht bei Magenkrebs die Mistel zur Verfügung, die das Immunsystem stärkt und zudem die Nebenwirkungen der Krebstherapie, z.B. Symptome eines möglicherweise auftretenden Erschöpfungs- bzw. Fatiguesyndroms vermindern kann. Auch die Hyperthermie führt durch gezielt herbeigeführte Fieberreaktion zu einer Aktivierung des Immunsystems.

Weitere integrative Therapien können zusätzlich die Nebenwirkungen der Krebstherapie deutlich verringern. Dazu gehören unter anderem Bewegungs- und Körpertherapien, z.B. Heileurythmie und Rhythmische Massagen sowie Mal- und Musiktherapie. Eine zusätzliche Unterstützung sind unsere Link anthroposophischen Pflegetherapien, die die Regeneration fördern.

Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, eine psychoonkologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Mögliche aufkommende Ängste können Sie dort ebenso thematisieren wie Auswirkungen der Erkrankung auf Ihre  familiäre Situation oder Perspektiven für die Zeit nach der Behandlung.

Perspektiven

Je früher ein Magenkarzinom erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf vollständige Heilung. In fortgeschritteneren Stadien sind die Heilungschancen geringer. Allerdings stehen mittlerweile auch bei einer weiter fortgeschrittenen Erkrankung Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die die Lebenserwartung verlängern und die Lebensqualität verbessern können. Im  Onkologischen Zentrum Havelhöhe arbeiten wir in diesen Fällen eng mit unserer Station für supportive Krebs- und Palliativmedizin zusammen.  

Nachsorge

Eine regelmäßige Nachsorge ist wichtig, um auf Veränderungen frühzeitig reagieren und möglicherweise auftretende Folgebeschwerden gezielt behandeln zu können.

Die Häufigkeit der Nachsorgeuntersuchungen beim Magenkrebs ist abhängig vom diagnostizierten Stadium, den feingeweblichen Eigenschaften der Krebszellen und der Art der Operation. Ihr behandelnder Arzt im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wird mit Ihnen einen individuellen Nachsorgeplan besprechen und aushändigen. In der Regel finden die Untersuchungen zu Anfang häufiger, später nur noch einmal pro Jahr statt.

Ein wichtiges Thema für Magenkrebs-Patienten ist die Beobachtung der Ernährungssituation, um eine Gewichtsabnahme oder Mangelzustände zu vermeiden. Alle Patienten, die im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe am Magen-Darm-Trakt operiert werden, erhalten eine Ernährungsberatung. Nach größeren Magenresektionen oder bei kompletter Magenentfernung muss alle 2-3 Monate Vitamin B12 (1000 Mikrogramm) als Spritze verabreicht werden, da eine Resorption von Vitamin B12 über den Magen-Darmtrakt nicht mehr möglich ist. Vitamin B12 ist ein wichtiges Vitamin für die Blutbildung und den Nervenstoffwechsel.

Zusätzlich zu körperlichen, labormedizinischen und apparativen Untersuchungen sind die behandelnden Ärzte bei Bedarf bemüht, durch die Vermittlung psychologischer oder ergänzender medizinischer Angebote die Lebensqualität der Patientinnen weiter zu verbessern. (http://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php)

Vor Entlassung aus dem Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe erhalten Sie von unserer Nachsorgedokumentation und Studienambulanz einen Nachsorgepass, in den sämtliche Therapien und Kontrollen übersichtlich notiert werden können. Die medizinische Nachsorge erfolgt ambulant über Ihren behandelnden Haus- oder Facharzt mit dem wir eng zusammenarbeiten.

Wir bitten Sie zudem, sich in regelmäßigen Abständen in unserer Nachsorgeambulanz zu  melden, damit wir Ihren Therapieverlauf dokumentieren können. Damit erfüllen wir als zertifiziertes Onkologisches Zentrum eine der Qualitätskriterien der Deutschen Krebsgesellschaft.

Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation

Die Rehabilitationsbehandlung schließt sich in der Regel an die abgeschlossene Therapie an. Das Team aus Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Sozialdienst steht Ihnen zur Verfügung, um die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern. Der Antrag auf eine Rehabilitation kann in bestimmten Fällen bereits während des stationären Aufenthaltes gestellt werden. Der Sozialdienst unserer Klinik ist Ihnen gerne dabei behilflich und bespricht mit Ihnen zudem weitere Möglichkeiten, z.B. Anträge auf Schwerbehinderung, Hilfsmittel, etc..

Umgang mit Fatigue

Bei Fatigue (Cancer related Fatigue, CRF) handelt es sich um ein Ermüdungssyndrom mit körperlicher Schwäche, Lustlosigkeit und Traurigkeit. Hinzu kommen häufig Störungen der biologischen Rhythmen, zum Beispiel Ein- und Durchschlafstörungen, mangelnde Regenerationsfähigkeit und ein erhöhtes Stressniveau. Neben der Krebserkrankung selbst scheinen schwächende Therapien eine Ursache für das Auftreten eines Fatigue zu sein.

In einem multimodalen Ansatz integrieren wir in Havelhöhe eine gezielte Aktivierung durch Bewegungsprogramme sowie auf die Symptome abgestimmte integrative Therapieangebote. Diese bewirken nicht nur ein Wiederkehren der Kraft, sondern haben auch einen positiven Einfluss auf die Stimmung. In Einzel- oder Gruppengesprächen haben Sie zudem die Möglichkeit, Informationen und Hintergründe über Fatigue zu bekommen und erhalten hilfreiche Tipps für Ihren Alltag. Darüber hinaus geben wir Ihnen Hinweise zum Stressmanagement und vermitteln Techniken zur Entspannung und Regeneration. Bei Bedarf behandeln wir das Fatigue Syndrom auch medikamentös, etwa mit Infusionen oder einer Misteltherapie.  

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie von einem Fatigue-Syndrom betroffen sind, wenden Sie sich an Ihre behandelnde Ärztin / Ihren Arzt. Die erfolgreiche Behandlung der Symptome ist eine entscheidende Voraussetzung zur Rückkehr in ein aktives Leben nach einer Krebserkrankung