Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine bösartige Erkrankung, die meist das Drüsengewebe der Bauchspeicheldrüse, in seltenen Fällen die Hormon-produzierenden Zellen betrifft. Die bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse haben in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen. Meist ist der Erkrankungsbeginn nach dem 60. Lebensjahr.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen des Bauchspeicheldrüsenkrebs sind nicht bekannt. Zu den Risikofaktoren gehören

•    Rauchen
•    häufiger Alkoholkonsum
•    Adipositas
•    chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
•    langjähriger Diabetes mellitus
•    genetische Ursachen, gehäuftes familiäres Vorkommen

Symptome/Beschwerden

Pankreaskarzinome machen zu Anfang keine spezifischen Beschwerden und werden deshalb meist spät entdeckt. In einem Teil der Fälle ist der Tumor bei Diagnosestellung bereits so weit fortgeschritten, dass er andere Organe befallen hat.

Symptome des Bauchspeicheldrüsenkrebses können sein:
•    unspezifische Oberbauchschmerzen
•    Gelbsucht (Ikterus) aufgrund von Verengungen des Gallengangs
•    Verdauungsstörungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Fettstuhl (heller, glänzender, schmieriger Stuhl), Appetitlosigkeit
•    unbeabsichtigter Gewichtsverlust
•    In fortgeschrittenem Stadium: starke Oberbauchschmerzen, Rückenschmerzen
•    Hormonstörungen (bei endokrinem Pankreaskarzinom)
•    Neigung zur Thrombosebildung

Diagnose

Neben labormedizinischen Untersuchungen, die bereits auf eine Einschränkung der Bauchspeicheldrüsenfunktion oder Störungen des Galle-und Pankreassekretabflusses hinweisen, wird bei Verdacht auf ein Pankreaskarzinom auch ein Tumormarker, das CA 19/9, bestimmt. Dieser Tumormarker kann auf ein Pankreaskarzinom hinweisen, ist aber nicht spezifisch, so dass weitere Untersuchungen erforderlich sind. Zum Einsatz kommen Ultraschall, Endosonographie, CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie). Diese geben Aufschluss über das Ausmaß der Erkrankung.

In der interdisziplinären Tumorkonferenz, an der Gastroenterologen, Chirurgen, Radiologen, Onkologen und ggf. weitere Spezialisten teilnehmen, werden dann die in Frage kommenden Therapieoptionen beraten. Am Ende steht ein individuell zugeschnittenes Therapiekonzept, das die größtmöglichen Aussichten auf Erfolg verspricht.

Behandlung

Operative/chirurgische Behandlung
Eine Operation hat das Ziel, das Tumorgewebe in der Bauchspeicheldrüse vollständig zu entfernen. Wird die Erkrankung früh genug erkannt und hat nicht bereits andere Organe oder umliegendes Gewebe befallen, kann durch den chirurgischen Eingriff eine Heilung ermöglicht werden. Sind bereits Metastasen vorhanden, wird in der Regel nicht operiert, sondern auf andere Therapien, insbesondere die Chemotherapie, zurückgegriffen.

Je nach Lage des Tumors werden bei der Operation nicht nur Teile der Bauchspeicheldrüse und das Lymphabstromgebiet entfernt, sondern auch die Gallenblase, der untere Teil des Gallengangs, der Zwölffingerdarm und ggf. ein Teil des Magens (Kausch-Whipple-Operation) entfernt. In den meisten Fällen kann aber der Magen komplett erhalten werden (PPPD).
Lässt sich der Tumor nicht mehr operativ entfernen, blockiert aber durch seine Größe oder Lage den Gallenfluss, kann der Gallestau und die daraus resultierende Gelbsucht mit Hilfe eines Stents beseitigt werden.

Medikamentöse Therapien
Sollte eine vollständige Entfernung des Tumors durch eine Operation nicht möglich sein oder haben sich bereits Metastasen in anderen Organen gebildet, kommt eine Chemotherapie zum Einsatz. Auf diese Weise sollen entartete Zellen zerstört und das Wachstum des Tumors verlangsamt werden. Die Überlebenschancen der Patienten können so erhöht und die Lebensqualität verbessert werden. In seltenen Fällen kann durch eine primäre (neoadjuvante) Chemotherapie eine Situation erreicht werden, in der ein zuvor nicht operabler Tumor doch operiert werden kann.

Bei fortgeschrittenem, metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs können bei einem Teil der Patienten ergänzend zur Chemotherapie sogenannte zielgerichtete Medikamente (targeted therapies) auf Antikörperbasis angewendet werden. Diese wirken direkt auf die Stoffwechselvorgänge der Krebszellen. Die Medikamente basieren auf verschiedenen Wirkmechanismen, die auf unterschiedlichen Wegen entweder die Blutversorgung oder das Zellwachstum des Tumors hemmen. Ob die zugelassenen Medikamente erfolgversprechend sind, lässt sich nur individuell, auf Basis der histologischen Eigenschaften des Tumors und weiterer Faktoren klären. Hinzu kommt die Abwägung möglicher Nebenwirkungen, die auch bei dieser Medikamentengruppe auftreten können. In der interdisziplinären Tumorkonferenz beraten die beteiligten Spezialisten ausführlich über den bestmöglichen Ansatz.

Eine vollständige Heilung im fortgeschrittenen Stadium ist auch mit diesem noch recht neuen Therapieansatz derzeit leider nicht möglich. Allerdings führen die Medikamente in vielen Fällen zu einer längerfristigen Eindämmung der Erkrankung und damit zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität und ggf. auch zu einer Lebensverlängerung.

Integrative Therapien
Während des stationären Aufenthaltes in Havelhöhe verbinden wir die schulmedizinischen Therapien mit integrativen Behandlungen, die Ihnen helfen, Ihre Selbstheilungskräfte zu stärken, das Immunsystem zu aktivieren und Kräfte zu mobilisieren.
Als begleitendes naturheilkundliches Medikament steht insbesondere bei Bauchspeicheldrüsenkrebs die Mistel zur Verfügung. Eine Therapie kann, je nach Art der Gabe, Dosierung und Zubereitung, direkte zelltötende Effekte auf die Krebszellen ausüben, das Immunsystem stärken und zudem die Nebenwirkungen der Krebstherapie, z.B. Symptome eines möglicherweise auftretenden Erschöpfungs- bzw. Fatiguesyndroms vermindern. In Studien sind positive Effekte auf die Lebensqualität und Lebenszeit von Patienten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nachweisbar.

Weitere integrative Therapien können zusätzlich die Nebenwirkungen der Krebstherapie deutlich verringern. Dazu gehören unter anderem Bewegungs- und Körpertherapien, z.B. Heileurythmie und Rhythmische Massagen sowie Mal- und Musiktherapie. Eine zusätzliche Unterstützung sind unsere anthroposophischen Pflegetherapien, die die Regeneration fördern.

Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, eine psychoonkologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Mögliche aufkommende Ängste können Sie dort ebenso thematisieren wie Auswirkungen der Erkrankung auf Ihre familiäre Situation oder Perspektiven für die Zeit nach der Behandlung.

Perspektiven

Da die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs meist erst sehr spät gestellt wird, gibt es häufiger keine Aussichten auf vollständige Heilung. Allerdings stehen uns mittlerweile auch bei einer weiter fortgeschrittenen Erkrankung gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die die Lebensqualität für eine längere Zeit verbessern können. Im Onkologischen Zentrum Havelhöhe arbeiten wir in diesen Fällen eng mit unserer Abteilung für Interdisziplinäre Onkologie und Station für supportive Krebs- und Palliativmedizin zusammen. 

Nachsorge

Eine regelmäßige Nachsorge ist wichtig, um auf Veränderungen frühzeitig reagieren und möglicherweise auftretende Folgebeschwerden gezielt behandeln zu können. Anfangs finden die Nachsorgeuntersuchungen häufiger, alle drei bis sechs Monate, statt, später vergrößern sich die Abstände.

Zusätzlich zur körperlichen und labormedizinischen Untersuchung macht Ihr behandelnder Arzt in der Regel einen Ultraschall des Bauchraums. Ergänzend wird er bei Bedarf psychologische oder weitere medizinische Angebote vermitteln, die die Lebensqualität der Patientinnen weiter verbessern. (www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php)

Vor der Entlassung aus dem Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe erhalten Sie von unserer Nachsorgedokumentation und Studienambulanz einen Nachsorgepass, in den sämtliche Therapien und Kontrollen übersichtlich notiert werden können. Die medizinische Nachsorge erfolgt ambulant über Ihren behandelnden Haus- oder Facharzt mit dem wir eng zusammenarbeiten.

Wir bitten Sie zudem, sich in regelmäßigen Abständen in unserer Nachsorgeambulanz zu  melden, damit wir Ihren Therapieverlauf dokumentieren können. Damit erfüllen wir als zertifiziertes Onkologisches Zentrum eine der Qualitätskriterien der Deutschen Krebsgesellschaft.

Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation

Die Reha schließt sich in der Regel an die abgeschlossene Therapie an – z.B. nach der Operation oder Chemotherapie. Die Teams aus Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Sozialdienst stehen Ihnen zur Verfügung, um die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern. Der Antrag auf eine Rehabilitation kann in bestimmten Fällen bereits während des stationären Aufenthaltes gestellt werden. Der Sozialdienst unserer Klinik ist Ihnen gerne dabei behilflich und bespricht mit Ihnen zudem weitere Möglichkeiten, z.B. Anträge auf Schwerbehinderung, Hilfsmittel, etc.

Umgang mit Fatigue

Bei Fatigue (Cancer related Fatigue, CRF) handelt es sich um ein Ermüdungssyndrom mit körperlicher Schwäche, Lustlosigkeit und Traurigkeit. Hinzu kommen häufig Störungen der biologischen Rhythmen, zum Beispiel Ein- und Durchschlafstörungen, mangelnde Regenerationsfähigkeit und ein erhöhtes Stressniveau. Neben der Krebserkrankung selbst scheinen schwächende Therapien eine Ursache für das Auftreten eines Fatigue zu sein. In einem multimodalen Ansatz integrieren wir in Havelhöhe eine gezielte Aktivierung durch Bewegungsprogramme sowie auf die Symptome abgestimmte integrative Therapieangebote. Diese bewirken nicht nur ein Wiederkehren der Kraft, sondern haben auch einen positiven Einfluss auf die Stimmung. In Einzel- oder Gruppengesprächen haben Sie zudem die Möglichkeit, Informationen und Hintergründe über Fatigue zu bekommen und erhalten hilfreiche Tipps für Ihren Alltag. Darüber hinaus geben wir Ihnen Hinweise zum Stressmanagement und vermitteln Techniken zur Entspannung und Regeneration. Bei Bedarf behandeln wir das Fatigue-Syndrom auch medikamentös, etwa mit Infusionen oder einer Misteltherapie.  

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie von einem Fatigue-Syndrom betroffen sind, wenden Sie sich an Ihre behandelnde Ärztin / Ihren Arzt. Die erfolgreiche Behandlung der Symptome ist eine entscheidende Voraussetzung zur Rückkehr in ein aktives Leben nach einer Krebserkrankung.