Die Musiktherapie hat sich bei vielen Krankheitsbildern und Symptomen als sehr hilfreich erwiesen. Es existieren zahlreiche Studien über ihre Wirksamkeit, zum Beispiel im Bereich der Onkologie. Besonders belastende Emotionen, wie Stress, Angst, Erschöpfung oder Depression, aber auch chronische Schmerzbelastungen, Übelkeit, Schwindel oder Störungen der vitalen Rhythmen (z.B. Insomnie) sprechen hervorragend auf die musiktherapeutischen Behandlungen an.

Jede Erkrankung ist ein Aus-dem-Gleichgewicht-Geraten, das Überhandnehmen eines Prozesses. Da das Organische nicht vom Seelischen zu trennen ist, hat auch ein scheinbar rein organischer Krankheitsprozess mehr oder weniger offensichtlich eine Entsprechung im Seelischen. Diese Tatsache bildet die Voraussetzung für die Musiktherapie. Im Unterschied zu den Arzneien, die vom Leib aus wirken, berührt die Musiktherapie zunächst primär das Seelische des Patienten: seine Wahrnehmung, Empfindung und die Gestaltungskräfte.

Die Musiktherapie zielt jedoch nicht nur auf psychische Prozesse. Ein spezielles Merkmal der anthroposophischen Musiktherapie ist ein gezielt auf den einzelnen Patienten abgestimmtes therapeutisches Übungsprogramm. Dieses kann aktiv – durch Spielen spezieller Instrumente, verbunden mit Singen und Bewegung - oder rezeptiv - im Aufnehmen spezieller Klangerlebnisse - ausgerichtet sein, wobei wir auch die Rezeption als aktiven Prozess auffassen. Durch die rhythmische Wiederholung können sich die Wirkungen bis in die organisch-funktionellen Prozesse hinein regulierend und ordnend auswirken und das körperliche Befinden verbessern.  

Der Musiktherapeut muss die Kunst beherrschen, den Patienten in seiner individuellen (Krankheits-)Situation wahrzunehmen und diese musikalisch nachzuerleben. Dies ist der Ausgangspunkt für einen gemeinsam mit dem Patienten zu findenden Weg der Genesung. Als therapeutische Mittel stehen die musikalischen Elemente (Töne, Akkorde, Rhythmen, Klänge, Skalen und Tonsysteme), das in Blas-, Saiten- und Schlaginstrumenten differenzierte Instrumentarium und der Gesang zur Verfügung.