Unsere Gesundheit ist kein statischer Zustand, sondern ergibt sich aus dem Streben nach einem körperlichen und seelischen Gleichgewicht, das wir ständig neu ausbalancieren müssen. Fallen wir aus diesem Gleichgewicht, erkranken wir. Eine Möglichkeit, Patienten bei der (Wieder-)Erlangung des inneren Gleichgewichts zu unterstützen, sind künstlerische Therapien. Im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe bieten wir neben der Musiktherapie die Maltherapie und das Plastizieren an.

Maltherapie

„Ich kann gar nicht malen“, ist die erste Reaktion vieler Patienten, denen die Ärzte aufgrund bestimmter Erkrankungen oder Symptome eine Maltherapie empfehlen. Dort geht es jedoch nicht darum, ein besonders schönes oder künstlerisches Bild zu malen, sondern das unmittelbare innere Erleben, zum Beispiel eines Krankheitsprozesses, in ein Bild zu bringen - ohne über den Kopf bzw. die Sprache eine Bewertung vorgenommen zu haben. Im Prozess des Malens entwickelt sich eine Dynamik, die von Bild zu Bild mehr kreative Energie freisetzt und Veränderungen auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene ermöglicht. Unsere Therapeuten begleiten diese Entwicklung durch Gespräche und führen die Patienten nach und nach in unterschiedliche malerische Techniken, die Wahl verschiedener Farben oder Perspektiven ein. Je nach individueller Situation kann es beispielsweise darum gehen, mehr Bewegung ins Bild zu bringen, Übergänge zu gestalten oder ein Zentrum zu schaffen. Bestimmte Techniken können unterstützend wirken, zum Beispiel die Nass-in-nass Aquarell-Technik, deren verlaufende Farben seelische Verhärtungen und Verkapselungen auflösen helfen.

Das eigentlich Heilsame künstlerischer Therapien ist jedoch die Entdeckung der eigenen schöpferischen Kraft, das Finden eigener Formen des Ausdrucks und ihre schrittweise Gestaltung zu etwas Neuem. Veränderungen im künstlerischen Ausdruck gehen mit inneren Entwicklungen und einer Transformation einher, die auf neue Wege innerhalb der Erkrankung und darüber hinaus verweisen. Verborgene Ressourcen treten zutage, die den Patienten helfen, (wieder) in ein inneres Gleichgewicht zu finden.

Bei entsprechender Indikation erarbeiten unsere Patienten in festen Sitzungen gemeinsam mit den Therapeuten verschiedene künstlerische Ausdrucksformen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, das Malatelier zu bestimmten Zeiten auch allein zu nutzen und an ihren Bildern weiterzuarbeiten. Die anfängliche Scheu und Skepsis gegenüber der Maltherapie weicht in den meisten Fällen großer Freude und kreativem Selbstbewusstsein und mündet nicht selten in dem Satz: ''Ich werd' noch ein Picasso“.

Plastizieren

Neben der Mal- und der Musiktherapie gehört auch das Plastizieren zu den künstlerischen Therapien, die im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe angeboten werden. Beim Plastizieren ergreift der Mensch mit seinen Händen die Materie, den Ton. Dieser ist feucht und kalt, so dass beide Hände zusammen arbeiten, kneten und formen müssen bis Wärme entsteht. Die Materie durchdringen, sie in eine Form bringen, gestalten, verändern, von allen Seiten anschauen, Gewichtungen schaffen, aufbauen und abtragen bis eine Plastik entstanden ist, die durch ihre Ausgewogenheit überzeugt – all dies fördert unmittelbar Willenskraft und Ausdauer, Erdung und Gestaltungskraft, die im Umgang mit einer Erkrankung und darüber hinaus hilfreich sind. Wie in der Maltherapie arbeiten die Patienten auch beim Plastizieren zunächst frei, um dann mit Unterstützung des Therapeuten einen Entwicklungsweg zu finden, der schöpferische Kräfte freisetzt und zu heilsamem Wandel führt.