Was sind Hepatitiden?

Hepatitiden sind Leberentzündungen, die durch verschiedene Viren hervorgerufen werden. Die Leberentzündung und die Bildung von Antikörpern sind die normalen Antworten des Körpers bei einer Auseinandersetzung mit den Viren. Häufig gelingt es dem Organismus, eine Heilung mit lebenslanger Immunität zu erreichen. Reichen die Abwehrkräfte des Menschen nicht aus, das Virus zu vernichten, entsteht eine chronische Infektion.

In diesem Falle sind neben den Antikörpern auch immer noch Viren im Blut nachweisbar (die nicht vernichtet werden konnten), und es können mehr oder weniger starke Zeichen einer Entzündung vorhanden sein. Der Organismus befindet sich also in einer permanenten Auseinandersetzung, da die Ausheilung nicht erreicht wird. Man könnte sozusagen von einer „steckengebliebenen“ Entzündung sprechen.

Von einer chronischen Infektion sollte man generell erst dann sprechen, wenn die Leberentzündung nach 6 Monaten noch nicht ausgeheilt ist. Chronische Verläufe treten vor allem bei der Hepatitis C, aber auch bei der Hepatitis B auf.

Welche Formen der Hepatitis gibt es?

Es gibt unterschiedliche Formen der Hepatitis, die sich in Symptomatik, Verlauf und Behandlung unterschieden.

Hepatitis A
Die Hepatitis A wird durch das Hepatitis-A-Virus hervorgerufen. Die Infektion wird über verunreinigtes Trinkwasser und Nahrungsmittel aber auch sexuell übertragen. Die Inkubationszeit (Zeit vom Viruskontakt bis zu den ersten Krankheitssymptomen) beträgt 2 bis 6 Wochen.  In der Regel heilt die Erkrankung vollständig aus. Eine chronische Hepatitis A gibt es nicht.

Hepatitis B
Die Hepatitis B wird durch das Hepatitis-B-Virus hervorgerufen. Sie wird über Blut- oder Sexualkontakte übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 30 bis 180 Tage. Sie verläuft in bis zu 90% akut (davon sind ca. 2/3 asymptomatisch) und geht in ca. 10% in eine chronische Infektion über.

Hepatitis C
Die Hepatitis C wird durch das Hepatitis-C-Virus hervorgerufen. Sie verläuft sehr häufig unbemerkt (bei 80 % aller Fälle) und mindestens 60 % der Infizierten entwickeln eine chronische Hepatitis C.

Hepatitis D
Die Hepatitis D kommt nur bei gleichzeitig bestehender Hepatitis B-Infektion vor.

Symptome und Verlauf einer Hepatitis

Viele Hepatitis-Infektionen verlaufen ohne Beschwerden oder mit unspezifischen Symptomen wie leicht erhöhter Temperatur, Appetitlosigkeit oder Druckschmerz im Oberbauch, so dass die Betroffenen die Krankheit gar nicht bemerken. In einigen Fällen entwickeln die Patienten eine Gelbsucht (Ikterus). Dabei färben sich Haut, Schleimhäute und das Weiße der Augen gelb.

Im Gegensatz zur Hepatitis A können die Hepatitis B und die Hepatitis C chronisch werden. Die Krankheiten verlaufen oft schleichend und werden erst entdeckt, wenn sie bereits chronisch sind.  Das Problem bei einer solchen chronischen Entzündung ist nicht so sehr die Entzündung selbst, mit den sicherlich kräftezehrenden Beeinträchtigungen. Das Hauptproblem ist die zunehmende Zerstörung der Leber bis hin zu einer Leberzirrhose.

Als Leberzirrhose bezeichnet man den narbigen Umbau der gesamten Leber, das heißt, vormals gesundes Gewebe wird durch narbiges funktionsloses Gewebe (Bindegewebe) ersetzt. Hierdurch wird dann die gesamte Durchblutung und die Funktion der Leber massiv beeinträchtigt, so dass gravierende Folgen für den Gesamtorganismus resultieren.

In Abhängigkeit von dem nachweisbaren Virus (bei der Hepatitis C werden inzwischen sechs verschiedene Typen unterschieden) schwanken die Risiken für die Entwicklung einer Zirrhose zwischen 10 und 60 %. Dabei kann sich eine Zirrhose nach wenigen Jahren oder auch erst nach Jahrzehnten entwickeln.

Wie wird eine Hepatitis diagnostiziert?

Die wichtigste Untersuchungsmethode für eine Hepatitis-Diagnose ist die Bestimmung der sogenannten „Leberwerte“ im Blut. In der akuten Phase der Entzündung gehen Leberzellen zugrunde. Die eigentlich in der Leberzelle enthaltenen Enzyme (GOT, GPT) gelangen in den Kreislauf und sind im Blut deutlich erhöht. Andere Laborwerte können ebenfalls verändert sein (z.B. „Entzündungszeichen“).

In der Folge der Infektion mit Hepatitisviren bildet der Körper sogenannte Antikörper zur Vernichtung der Erreger. Diese Antikörper zirkulieren im Blut und können dort lebenslang nachgewiesen werden. Sie beweisen eine stattgefundene Infektion.

Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) können außerdem Struktur und Größe der Leber  beurteilt werden. Bei einer chronischen Hepatitis können zudem Gewebeproben aus der Leber (Biopsien) entnommen werden, um das Ausmaß der Leberschädigung zu bestimmen. Diese Untersuchung erfolgt meist unter kurzem medikamentösem Schlaf (Sedierung).  

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Hepatitis?

Bei den meisten akuten Leberentzündungen ist in der Regel keine spezifische Therapie notwendig, da sie von selbst und ohne Folgen ausheilen. Wichtig sind jedoch Bettruhe, körperliche Schonung und Alkoholverbot.

Im Gegensatz dazu muss eine chronische Hepatitis immer behandelt werden.

Die Hepatitis B wird mit zwei Medikamentenklassen behandelt: Interferone (welche einmal wöchentlich gespritzt werden) und Nukleosid- bzw. Nukleotidanaloga, die täglich als Tablette eingenommen werden. Diese Wirkstoffe behindern das Virus bei der Vermehrung. Diese Therapien sind allerdings häufig nicht heilend, es ist also oft keine vollständige Elimination des Virus zu erwarten. Das Therapieziel ist vielmehr, den Verlauf der chronischen Hepatitis B abzumildern und das Risiko von Spätfolgen zu senken.

Die Hepatitis C hingegen kann seit wenigen Jahren in sehr vielen Fällen durch eine virushemmende Kombinationstherapie geheilt werden. Da der Erfolg der Therapie jedoch stark abhängig ist von der speziellen Virusart und der Viruskonzentration im Blut, sind vor der Einleitung der Therapie einige etwas aufwendige Blutuntersuchungen notwendig. In der Regel ist auch eine Leberpunktion erforderlich.

Die Anthroposophische Medizin kann zur Behandlung einer geschwächten und infizierten/entzündeten Leber viel beitragen. Hilfreich sind z.B. Mariendistelpräparate,  Konstitutionsmittel der Leber aus Wein- und Erdbeerblättern (Hepatodoron®), Medikamente aus der grünen Tomate, äußere Anwendungen mit Wickeln und Einreibungen, Kunst- und Bewegungstherapien.

Was bedeutet die Diagnose "chronische Hepatitis" für mein Leben?

In der täglichen Lebensführung ist die Beeinträchtigung recht unterschiedlich und meist von den subjektiv empfundenen Symptomen abhängig. Manche Menschen mit chronischer Entzündung fühlen sich permanent schwach und unwohl und werden sicherlich schon deshalb etwas kürzertreten und extreme körperliche Belastungen vermeiden. Die meisten Patienten fühlen sich aber trotz der Entzündung wohl, so dass ihnen die Erkrankung sicherlich auch nicht ständig Sorge bereitet.

Auf eine gesunde Lebensführung sollte aber gerade in diesen Fällen trotzdem geachtet werden. Insbesondere erwähnenswert erscheint ein regelmäßiger Tagesablauf mit ausreichend Nachtschlaf, eine regelmäßige, ausgewogene und hochwertige Ernährung (eine spezielle Diät muss nicht eingehalten werden) sowie eine ausreichende körperliche Betätigung (von Kraftsport oder Leistungssport ist allerdings eher abzuraten).

Wichtig bei allen Formen der Hepatitis-Infektion ist, dass die Patienten vollständig auf Alkohol verzichten, da dieser die Leber belastet und noch zusätzlich schädigen kann.

Eine „Wunderpille“ zur Kräftigung und Stärkung der Leber gibt es leider nicht, auch sollte man von der oft für gesund gehaltenen Einnahme von Vitamintabletten oder sogenannten „Aufbauspritzen“ abraten. Vitamine sind nur dann notwendig, wenn wirklich ein (extrem seltener) Mangel vorliegt.