Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - was sind die Unterschiede?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED). Während die Colitits ulcerosa „nur“ den Dickdarm betrifft, kann der Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt befallen. Dabei entzündet sich nicht nur die oberflächliche Schleimhaut (wie bei der Colitis ulcerosa), sondern alle Wandschichten des Darms können betroffen sein.

Welche Beschwerden verursachen chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Typische Beschwerden für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind schubweise auftretende, anhaltende z. T. heftige wässrige bzw. auch blutig-schleimige Durchfälle, die oft von krampfartigen Bauschmerzen begleitet werden. Weitere Anzeichen können Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, aber auch zunächst untypisch erscheinende Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder entzündliche Hautveränderungen oder Fieber sein.

Wie werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen diagnostiziert?

Um die Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sicherstellen zu können, sind mehrere Untersuchungen erforderlich. An erster Stelle steht die körperlich Untersuchung, bei der der Unterbauch auf schmerzhafte Stellen abgetastet wird.

Da sich bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auch verschiedene Veränderungen im Blutbild zeigen, erfolgt eine Blutuntersuchung. So weist z.B. ein erhöhter CRP-Wert (C-reaktives Protein) auf akute Entzündungsprozesse hin. Gleichzeitig sind oft die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) erhöht.

Die wichtigste Diagnosemethode ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei wird ein biegsamer Schlauch mit einer kleinen Kamera (Endoskop) in den Darm geführt, um die Schleimhaut betrachten zu können. Die Darmschleimhaut zeigt dabei charakteristische Gewebeveränderungen. Die bei der Darmspiegelung entnommenen Gewebeproben (Biopsien) werden im Labor untersucht und geben Aufschluss über die Art und Schwere der Erkrankung.

Da die Crohn-Krankheit den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, wird häufig auch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt. Bei dieser Untersuchung wird ein dünnes Endoskop durch die Mundhöhle eingeführt, um den Magen und den Zwölffingerdarm einsehen zu können.

Um zu überprüfen, ob die Darmwand verdickt ist, wird meist zusätzlich eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) gemacht.

Krankhafte Veränderungen in Teilen des Darms, die bei der Darmspiegelung nicht untersucht werden konnten (insbesondere der Dünndarm), können mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der Computertomografie (z.B. CT-Sellink) und insbesondere der Kernspintomografie (z.B. MRT-Sellink) oder auch der Kapselendoskopie (PillCam®; ein kleine geschluckte Kapsel die Bilder aus dem Darm auf einen Datenträger übermittelt) sichtbar gemacht werden.

Wie werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen behandelt?

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen treten in Schüben auf und verlaufen meist chronisch. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern und die Anzahl der Schübe zu reduzieren, so dass die Patienten möglichst lange beschwerdefrei sind.

Zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Hierzu gehören unter anderem Kortikosteroide bzw. Kortisonpräparate. Da diese Arzneimittel die Aktivität des Immunsystems eindämmen, kommen sie vor allem zur Behandlung akuter Schübe zum Einsatz. Weiter werden Aminosalicylate (5-ASA-Präparate) verwendet. Diese Arzneimittel besitzen eine entzündungshemmende Wirkung und werden deshalb bei leichten bis mittelschweren Schüben gegeben. Immunsuppressiva: Sie unterdrücken die überschießende Immunreaktion des Körpers und sind als Dauertherapie geeignet, um das Aufflammen neuer Entzündungsschübe zu unterbinden. Vertreter sind z.B. TNF-α-Antikörper: sie sind den körpereigenen Antikörpern sehr ähnlich und können die im Körper ablaufenden Entzündungsprozesse hemmen.

Diese konventionellen Therapien zielen auf die Unterdrückung (Suppression) der überschießenden Entzündung am Darm. Ein Gleichgewicht wird also nur solange hergestellt, wie die medikamentöse Suppression (z. B. durch Kortison oder andere Immunsuppressiva) wirkt. Ein selbstständiger Ausgleich zwischen den degenerativen (sklerosierenden) und den entzündlichen Kräften im Darm durch den Organismus findet dabei nicht statt. Damit ist auch keine eigentliche Heilung durch den Organismus gegeben, da er selbst nicht „gelernt“ hat, diese einseitig wirkenden Kräfte wieder zum Ausgleich zu bringen. In Havelhöhe versuchen wir daher bei den CED, den zu starken (dominanten) Zerstörungs- und Skleroseprozess in seiner Wirkung auf den Darm und damit auf das gesamte Stoffwechsel- und Verdauungssystem abzumildern. Ferner muss der Stoffwechsel- und Verdauungsprozess gestärkt werden. Der verselbstständigte Entzündungsprozess muss funktional wieder in den Organprozess eingegliedert werden.

Zur therapeutischen Beeinflussung solcher Kräftewirkungen werden Naturheilmittel, die speziell in der Anthroposophischen Medizin entwickelt wurden (Anthroposophika), eingesetzt. Bei den CED werden daher individuell auf den Krankheitsprozess abgestimmte Medikamente gegeben. Um z.B. der Dominanz des Skleroseprozesses am Darm entgegenzuwirken, kommen Substanzen wie Quarz (potenzierte Siliceapräparate), Formica, Plumbum mellifica, Oxalis etc. zur Anwendung. Eine Stärkung des Stoffwechsels kann z. B. durch Arsenicum album, Argentum metallicum praep., Cuprum aceticum, Gentiana lutea etc. erreicht werden. Wesentlich ist dabei die individuell abgestimmte Dosierung und der aktuelle Stand der Erkrankung. Als unterstützende Substanzen während der Entzündung können auch bewährte Heilmittel wie Weihrauch, Kamille oder Arnika in verschiedenen Potenzen eingesetzt werden.

In den letzten Jahren haben die Kenntnisse über die Mikrobiota (Darmflora) und die Störung der Barriere an der Darmwand zu neuen Therapieansätzen mittels Probiotika bis hin zur „Stuhltransplantation“ (fäkaler Mikrobiomtransfer) geführt. Dabei werden immununterdrückende Therapien zunehmend durch immunregulative Ansätze abgelöst.

Als ein wesentliches Heilmittel bei den CED haben sich Gaben von potenzierten Mercurialisverbindungen bewährt (z. B. Mercurius cyanatus oder bei geringerer Entzündung z. B. Mercurius vivus nat. etc.). Sie erreichen einen Ausgleich zwischen den polaren Kräften von Sklerose und Entzündung und fördern die Begegnungsfähigkeit des Darmes für die Nahrung.

Ergänzende Therapie für Seele und Geist

Über die medikamentöse Therapie hinaus, ist für die Anthroposophische Medizin die Einbeziehung der seelisch-geistigen Ebene des Menschen unabdingbar. Wie Wasser und Brot für den Leib, so ist Kunst die Nahrung der Seele. So wie auf leiblicher Ebene Einseitigkeiten von polaren Kräften im Krankheitsfall auszugleichen sind, kann durch die Kunsttherapie übend mit den seelischen Kräften gearbeitet werden, um einseitig wirkende Kräfte zum Ausgleich zu bringen. Als Therapien werden hier die Musik- und Maltherapie, wie auch das Arbeiten mit Ton (Plastizieren) angewendet. Ferner kommt eine spezielle künstlerische Bewegungstherapie, die Heileurythmie, zur Anwendung.

Der geistigen Dimension des Menschen wird durch eine begleitende Gesprächstherapie / Psychotherapie begegnet. Dabei geht es vor allem um Hilfestellungen im Umgang mit der Erkrankung und deren Bewältigung im Alltag. Aber auch die eigene biographische Auseinandersetzung mit der Erkrankung und deren Sinngebung können hier bearbeitet werden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Von großem Vorteil für eine optimale Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachabteilungen. So besteht in Havelhöhe eine enge Kooperation zwischen der Bauchchirurgie (Viszeralchirurgie) mit ausgewiesener Expertise für operative Eingriffe bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und unserer gastroenterolgischen Abteilung (z.B. Operationen von Stenosen (Strikturoplastiken), Resektionen von Darmabschnitten bis hin zur gesamten Dickdarmentfernung mit dem Erhalt der Kontinenz und der Anlage eines ileo-analen J-Pouches sowie Operationen von Fistelleiden). Zudem stehen wir in engem Kontakt zur gastroenterologischen Praxis des MVZ Havelhöhe. In regelmäßigen Konferenzen werden besondere Fälle fachübergreifend besprochen. Diese Form der engen interdisziplinären Zusammenarbeit ermöglicht es auch sehr schwere und komplexe Fälle mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowohl nach den modernsten Standards der konventionellen Medizin als auch im Sinne der Anthroposophischen Medizin zu behandeln.