Invasives Mammakarzinom

Brustkrebs ist eine bösartige Erkrankung der Brustdrüse und die häufigste Krebserkrankung der Frau. Auch Männer können davon betroffen sein, allerdings sehr selten. Wird der Brustkrebs rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Fälle heilbar. Durch Früherkennung und immer gezieltere Therapiemethoden (operativ, strahlentherapeutisch und medikamentös) haben sich die Heilungschancen von Brustkrebs in den letzten Jahren weiter verbessert, trotz steigender Erkrankungszahlen. Fünf Jahre nach der Diagnose sind ca. 87% der Frauen noch am Leben.

Ursachen und Risikofaktoren von Brustkrebs

Die eigentlichen Ursachen des Brustkrebses sind, wie auch bei den meisten anderen Krebsarten, nicht bekannt. Jedoch kennt man Risikofaktoren, die das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erhöhen:
•    Übergewicht und fettreiche Ernährung, geringe körperliche Aktivität
•    langjährige Einnahme weiblicher Sexualhormone (Pille und Hormonersatztherapie in den Wechseljahren länger als 5 Jahre)
•    das frühe Einsetzen der Periode und das späte Eintreten der Wechseljahre
•    Rauchen
•    Alkoholkonsum
•    Familiäre Belastung
•    Kinderlosigkeit und späte Schwangerschaften nach dem 30. Lebensjahr, kein oder nur kurzes Stillen der Kinder
•    hohe mammographische Dichte der Brustdrüse

Verursacht Brustkrebs Beschwerden?

In einem frühen Stadium verursacht Brustkrebs im Allgemeinen keine Schmerzen oder Beschwerden. Anzeichen, die dennoch auf einen möglichen Tumor hinweisen können sind folgende:

  • Ein Knoten in der Brust ist tastbar, sie werden in der Regel ab einer Größe von 1-2 cm bemerkt und sind meist nicht schmerzhaft. Nicht jeder Knoten bedeutet gleich Brustkrebs, da es auch gutartige (benigne) Knoten (Tumore) gibt – dennoch sollte jeder Tastbefund abgeklärt werden.
  • Hautveränderungen im Sinne von Einziehungen, Vorwölbungen, auffällige Großporigkeit der Haut („Orangenhaut“), eine nicht abklingende Rötung oder Entzündung der Brust sind weitere mögliche Hinweise auf ein Karzinom.
  • Veränderungen der Brustwarze wie Absonderungen, vor allem wenn sie blutig oder klar sind und nur einseitig auftreten, Einziehung der Brustwarze, Entzündungen oder Hautveränderungen der Brustwarze.
  • Neu aufgetretene Veränderung der Größe der Brust (sowohl Größenzu- als auch -abnahme) sowie ein verändertes Verhalten der Brüste beim Anheben der Arme.
  • Schwellung der Lymphknoten in der Achselhöhle – dies kann auf ein Tumorgeschehen in der Achselhöhle hinweisen, aber auch im Rahmen von Entzündungen auftreten

Wenn Sie ein oder mehrere Symptome bei sich beobachtet haben, sollten Sie baldmöglichst Ihre Frauenärztin / Ihren Frauenarzt aufsuchen, um die Veränderung abzuklären.Im späten Stadium können neben zunehmenden Veränderungen im Brustbereich auch Schmerzen im Bereich der Knochen, eine erschwerte Atmung oder ungewollter Gewichtsverlust auftreten – dies könnten Zeichen für Metastasen (Tochtergeschwüre des Krebses) sein.

Wie wird Brustkrebs diagnostiziert?

Veränderungen in der Brust oder Auffälligkeiten im Rahmen des Mammographiescreenigs sollten von einem gynäkologischen Facharzt genauer untersucht werden.
Neben einer Tastuntersuchung und Inspektion der Brust erfolgt in der Regel als nächstes ein Brustultraschall. Zeigt sich hier ein auffälliger Befund, wird die Mammographie in der Regel durch die feingewebliche Untersuchung des Befundes ergänzt und eine ultraschallgesteuerte  Stanzbiopsie durchgeführt. Das gewonnene Gewebe geht zur histologischen (feingeweblichen) Untersuchung zum Pathologen, der dann Genaueres über die Veränderung in der Brust aussagen kann, insbesondere, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt.

Bei den bösartigen Brusttumoren (invasiven Mammakarzinomen) unterscheidet man zwischen ductalen Mammakarzinomen (die Milchgänge betreffend), lobulären Mammakarzinomen (die Milchdrüsen betreffend) und einigen selteneren Varianten.

Wie wird Brustkrebs behandelt?

Die gewonnenen diagnostischen Ergebnisse werden in unserer interdisziplinärenTumorkonferenz diskutiert, die einmal wöchentlich stattfindet. Alle behandelnden Fachärzte - Gynäkologen, Onkologen, Radiologen, Nuklearmediziner, Chirurgen - und Therapeuten besprechen die Befunde und erarbeiten auf dieser Basis einen zielgerichteten Therapievorschlag. Dieser ist auf die Eigenschaften des Tumors genau zugeschnitten und bietet entsprechend die größtmöglichen Aussichten auf Erfolg.

In den meisten Fällen raten wir zur Operation. Bis in die 1980er Jahre ging die Brustkrebsdiagnose meist mit einer radikalen Entfernung der Brust einher. Heute können wir meist schonender operieren und die Brust erhalten. Entscheidend sind die Eigenschaften des Tumors. Durch verbesserte Diagnose- und Therapiemethoden bergen brusterhaltende Operationen kein höheres Rückfallrisiko für die Patientinnen als eine radikale Brustentfernung.

Das Ziel der Operation besteht darin, sämtliche Tumorzellen aus der Brust zu entfernen. Um dies sicherzustellen, wird auch etwas von dem umgebenden gesunden Gewebe entfernt, der sogenannte Sicherheitsabstand. Der Pathologe untersucht nach der Operation das entnommene Gewebe und beurteilt, ob die Schnittränder noch Tumorzellen enthalten oder ob alles im Gesunden entfernt wurde.

Im Anschluss an eine brusterhaltende Operation sollte die Brust nachbestrahlt werden. Eine Entfernung der Brust, eine sogenannte Mastektomie oder Ablatio, ist dann notwendig, wenn der Brustkrebs lokal schon fortgeschritten ist, das heißt, wenn er sich in der Brust weiter ausgebreitet hat. Eine weitere Indikation für eine Mastektomie sind spezifische Tumoreigenschaften, die einer Brusterhaltung im Wege stehen. In diesem Fall werden wir Sie gern auch schon vor der geplanten Operation über die Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Brust informieren und den Kontakt zu unserem Team der Plastischen Chirurgie herstellen.

In einigen Fällen schlägt die Tumorkonferenz vor, nicht sofort zu operieren, sondern eine Chemo-, Antihormon- oder  Antikörpertherapie vorzuschalten. Dies ist vor allem bei aggressiveren Tumoren mit hoher Wachstumsrate der Fall und hat den Vorteil, dass sich Tumore möglicherweise verkleinern und dann brusterhaltend operiert werden kann.

Bei Brustkrebs sollten zudem immer die Wächter-Lymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) entfernt werden. Die Wächter-Lymphknoten sind die ersten Lymphknoten, die auf der Lymphbahn zwischen Brust und Achselhöhle liegen. Sie zu entfernen ist eine schonende Methode, durch die die nachfolgenden Lymphknoten in den meisten Fällen erhalten werden können. Sollte jedoch schon vor der Operation im Ultraschall oder der Mammographie der Verdacht auf einen Lymphknotenbefall bestehen, können wir diese Methode nicht anwenden. In diesem Fall sollten die auffälligen und benachbarten Lymphknoten (insgesamt mindestens zehn) entfernt werden. Dieser Eingriff wird Axilladissektion genannt.

Welche Vorteile bietet die Integrative Therapie bei Brustkrebs?

Während des stationären Aufenthaltes in Havelhöhe verbinden wir die schulmedizinischen Therapien von Beginn an mit  integrativen anthroposophischen Behandlungen, die Ihnen helfen, Ihre Selbstheilungskräfte zu stärken, das Immunsystem zu aktivieren und Kräfte zu mobilisieren. Beim Mammakarzinom hat sich insbesondere die Therapie mit Mistelextrakten als zusätzlich hilfreich erwiesen.

In vielen Fällen können integrative Therapien zudem die Nebenwirkungen der Krebstherapie deutlich verringern. Dazu gehören unter anderem Bewegungs- und Körpertherapien, z.B. Heileurythmie und Rhythmische Massage sowie Mal- und Musiktherapie. Eine zusätzliche Unterstützung sind unsere anthroposophoschen Pflegetherapien, die die Regeneration fördern.

Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, eine psychoonkologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Mögliche aufkommende Ängsten können Sie dort ebenso thematisieren wie Auswirkungen der Erkrankung auf Ihre familiäre Situation oder Perspektiven für die Zeit nach der Behandlung.

Die Heilkraft der Bewegung

Aktuelle Studien zeigen, dass der Verlauf von Brustkrebs durch Bewegung positiv beeinflusst werden kann. Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert nachweisbar die Gefahr eines Rezidivs und erhöht die Chancen auf vollständige Heilung. Die Nebenwirkung einer Chemo- oder antihormonellen Therapie verringern sich häufig, auch Symptome eines Fatigue-Syndroms (chronisches Müdigkeitssyndrom) treten seltener auf. Mit der gesteigerten Leistungsfähigkeit erhöht sich zudem das Selbstbewusstsein, die Lebensqualität steigt und Depressionen können vermieden werden.  

In jedem Fall ist es wichtig, Ihr Bewegungsprogramm mit den behandelnden Ärzten abzustimmen. Um das für Sie richtige Maß zu finden, werden sie Ihre individuelle Konstitution ebenso berücksichtigen wie die konkrete Situation. Bei schlechten Blutwerten, auftretendem Fieber oder starker Gewichtsabnahme sollten Sie intensivere Aktivitäten zeitweise reduzieren.