Die Misteltherapie hat in der Anthroposophischen Medizin eine lange Tradition und wurde im Laufe der Jahre stetig weiterentwickelt. Im integrativen Onkologischen Zentrum Havelhöhe behandeln wir unsere Patientinnen und Patienten ergänzend zu konventionellen Krebstherapien oftmals auch mit Mistelextrakten. Dabei stärkt die Misteltherapie die gesundenden Prozesse im Körper und fördert die physiologische Selbstregulation. Der Organismus wird in die Lage versetzt, aktiv gegen die Krebserkrankung vorzugehen. Positive Effekte sind insbesondere:

•    die Aktivierung des Immunsystems, das damit in die Lage versetzt wird, sich besser gegen Krebszellen zu wehren;
•    die Anregung des programmierten Zelltods von Krebszellen (Apoptose), so dass der Tumor am Wachstum gehindert oder im besten Fall sogar kleiner wird;
•    eine bessere Verträglichkeit von Chemo- und Strahlentherapie durch den Schutz der Erbsubstanz (DNA) gesunder Zellen vor Zellgiften (Zytostatika);
•    die Verbesserung von Symptomen des Cancer related Fatigue Syndroms (chronisches Müdigkeitssyndrom), insbesondere Schlafstörungen und Müdigkeit / Erschöpfung
•    die Verbesserung des Allgemeinzustands bzw. der Lebensqualität: Förderung der körperlichen Selbstregulation (Schlaf, Blutdruck, Wärmehaushalt etc) und des Stoffwechsels, Steigerung der Leistungsfähigkeit, Verringerung der Pflegebedürftigkeit;
•    die Verbesserung des Appetits und damit die Vermeidung von Kräfteverfall und Auszehrung (Kachexie);
•    die Verbesserung der mentalen Befindlichkeit: Nachlassen von Konzentrationsstörungen bzw. geistiger Ermüdbarkeit, Depressionen und Ängsten;
•    die Reduktion von Schmerz.

Um die klinische Wirksamkeit der Mistel genauer zu erfassen, wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl klinischer Studien mit unterschiedlicher Methodik durchgeführt, so dass sich mittlerweile zahlreiche Effekte wissenschaftlich nachweisen und einordnen lassen. (Einen Überblick finden Sie unter www.mistel-therapie.de)

Für die Therapie stehen unterschiedliche Präparate von verschiedenen Wirtsbäumen zur Verfügung, die gezielt nach bestehenden Symptomen ausgewählt werden. Auch das Herstellungsverfahren beeinflusst in unterschiedlicher Weise die Zusammensetzung, Wirkung, Verträglichkeit und die Einsatzbereiche der Präparate. So stehen sowohl fermentierte, wässrige Auszüge, frische Presssäfte oder Auszüge aus getrocknetem Mistelkraut zur Verfügung.

Grundsätzlich ist es möglich, alle Krebserkrankungen begleitend mit Mistelextrakten zu behandeln. Besonders gut erforscht ist die Anwendung bei Brustkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber auch Lungenkrebs-, Unterleibskrebs- und Dickdarmkrebstherapien lassen sich gut durch Mistelextrakte unterstützen. Lediglich im Fall von Hirntumoren und bei akuten Leukämien ist Vorsicht geboten. Onkologen vertreten zudem unterschiedliche Ansichten zum Nutzen der Misteltherapie bei Lymphomen. In diesen Fällen sollten Sie sich das Für und Wider von Ihrem behandelnden Arzt erläutern lassen.

Patienten profitieren in allen Phasen einer Krebserkrankung von der Misteltherapie, also sowohl kurativ als auch palliativ. Der Beginn einer Misteltherapie ist jederzeit, das heißt  vor, während oder nach einer konventionell ausgerichteten Behandlung möglich. Je nach individueller Situation wird der Arzt einen kürzeren – über einige Wochen bzw. Monate dauernden - oder einen längeren Therapieansatz von mehreren Jahren empfehlen. Die Auswahl des Präparates und die  Dosierung sind ebenfalls individuell und orientieren sich an Krankheitslage, Allgemeinbefinden, Immunstatus, Reaktionen auf die Therapie und sonstigen Besonderheiten. Über die bestmögliche Form der Therapie entscheiden unsere erfahrenen Ärzte im gemeinsamen Gespräch mit Ihnen.

In der Regel wird der Mistelextrakt von den Patienten selbst an einer vom Arzt festgelegten Stelle zwei- bis dreimal pro Woche mit einer sehr dünnen Nadel unter die Haut gespritzt (subcutane Injektion). Im Rahmen individueller Therapieentscheidungen sind mitunter sind auch Mistelinfusionen oder Injektionen direkt in den Tumor oder in Körperhöhlen eine sinnvolle Ergänzung. Diese werden dann stationär im Krankenhaus oder in onkologischen Schwerpunktpraxen durchgeführt. Kurz nach der Injektion kommt es vor allem zu Beginn der Behandlung häufig zu einer lokalen Hautreizung: Die Haut um die Einstichstelle rötet sich, kann kurzzeitig anschwellen, jucken oder sich erwärmen. Diese Lokalreaktion ist nicht gefährlich, sondern im Gegenteil erwünscht, da sie zeigt, dass der Organismus auf die Mistelinjektion reagiert. Nur im Fall einer sehr heftigen, nicht nachlassenden Hautreaktion, kann der Arzt durch Änderung der Dosierung oder des Präparates regulierend eingreifen.