Lungenkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Entartete Zellen des Lungengewebes bzw. der Bronchien vermehren sich unkontrolliert und befallen oft auch weitere Organe. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen, allerdings ist die Tendenz bei Frauen, an einem Lungenkarzinom zu erkranken, seit Jahren kontinuierlich steigend, während sie bei Männern leicht zurückgeht. Ein Auftreten vor dem 40. Lebensjahr ist sehr selten, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung von Lungenkrebs

Wie bei den meisten Krebserkrankungen sind eine Reihe von Faktoren für die Entstehung von Lungenkrebs verantwortlich. Die wichtigste Ursache für Lungenkrebs ist jedoch das Rauchen, wobei schädigende Substanzen im Tabakrauch das Lungengewebe angreifen. Das Risiko zu erkranken erhöht sich, je früher mit dem Rauchen begonnen wurde und je größer die Anzahl gerauchter Zigaretten pro Tag. Ein weiterer Risikofaktor ist das Passivrauchen, also das Einatmen von Tabakrauch mit der Atemluft. Auch hier steigt die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung mit der Häufigkeit und Dauer des Passivrauchens an.

Das geschädigte Lungengewebe kann sich jedoch wieder regenerieren, wenn das Rauchen eingestellt wird. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken sinkt mit den Jahren deutlich, nach 15-20 Jahren ist es gegenüber Nichtrauchern nur noch geringfügig erhöht.

Weitere Risikofaktoren für ein Lungenkarzinom, häufig in Kombination mit dem Rauchen, sind:

  • Aufnahme von Schadstoffen am Arbeitsplatz, z. B. Asbest, Arsenverbindungen, Quarz- oder Nickelstäube - betroffen sind vor allem Arbeitsplätze in der Metallverarbeitung, in Gießereien, in der Gummiherstellung oder Kohlegas- und Koksherstellung
  • Einatmen von Schadstoffen mit der Atemluft, z.B. Dieselruss oder Feinstaub
  • Kontakt mit erhöhten Radonkonzentrationen, z.B. durch Arbeit in Uranbergwerken
  • familiäre Belastung, genetische Faktoren: Frauen, die rauchen, haben ein größeres Risiko zu erkranken als rauchende Männer
  • Vitaminarme Ernährung, insbesondere bei Rauchern, die nur wenig Obst und Gemüse essen.
  • Spätfolgen von Erkrankungen (Tuberkulose) oder Operationen
  • Schwerwiegende andere Lungenerkrankungen, z. B. COPD
  • Infektion mit bestimmten Viren, z.B. humanen Papillomviren (HPV) oder Epstein-Bar (EBV) scheint zudem eine gewisse Rolle zu spielen

Welche Beschwerden verursacht Lungenkrebs?

Lungenkrebs macht zu Anfang fast keine Beschwerden, häufig kommt es erst in einem späteren Stadium zu Symptomen. Diese können sehr unspezifisch sein und auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Hierzu gehören

  • chronischer (Raucher-)Husten, der sich plötzlich ändert
  • lang andauernde Bronchitis und Lungenentzündung trotz Antibiotikagabe
  • Luftnot
  • Bluthusten
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Fieberschübe
  • Nachtschweiß
  • Gewichtsverlust und allgemeine Schwäche
  • Schwellungen im Gesicht und am Hals

Wie wird Lungenkrebs diagnostiziert?

Für Lungenkrebs gibt es keine Vorsorgeuntersuchungen, wie etwa beim Darm- oder Brustkrebs. Besteht der Verdacht auf ein Lungenkarzinom werden zunächst Röntgenaufnahmen angefertigt, die erste Hinweise liefern können. Diese werden in einer Computertomographie (CT) des Thorax (Brustkorbs) erhärtet. Einen definitiven Nachweis über die Art des Tumors erhalten wir jedoch erst durch eine Punktion des Lungengewebes. Dies geschieht bei einer Bronchoskopie oder mittels Feinnadelpunktionsverfahren. Sollten diese Untersuchungen keinen definitiven Aufschluss geben, wird Gewebe durch eine Operation entnommen. Um zu prüfen, ob noch weitere Körperregionen befallen sind, führen wir neben CT und MRT bei Bedarf eine Sonographie (Ultraschall),eine  Szintigraphie und eventuell ein PET-CT durch. Lungenkarzinome können in verschiedenen Formen auftreten. Wir unterscheiden grob zwischen nicht-kleinzelligen (NSCLC) und kleinzelligen Karzinomen (SCLC). NSCLC-Tumore werden zudem in weitere Subtypen spezifiziert. Krankheitsverlauf und Behandlung unterscheiden sich bei beiden Formen deutlich. NSCLC-Formen machen mit etwa 75-80% jedoch den Großteil der Lungenkarzinome aus. 

Um die bestmögliche Therapie planen zu können, erfassen wir neben der Art des Tumors auch dessen Ausbreitung und Größe. Die Klassifikation orientiert sich an vier Stadien, die mit unterschiedlichen Heilungschancen verbunden sind. Für alle Formen und Untergruppen gilt: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten für eine erfolgreiche Behandlung.

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Um das Stadium eines Lungenkarzinoms näher zu klassifizieren, werden die Größe, ein möglicher Lymphknotenbefall und das Vorhandensein von Metastasen einbezogen. Es gilt die sogenannte TNM-Klassifikation, die jedem Buchstaben einen Zahlenwert zuordnet, der anzeigt, wie fortgeschritten die Erkrankung ist.

T = Größe des Tumors in der Lunge

N = Möglicher Befall der Lymphknoten (Nodi lymphatici)

M = Vorhandensein von Metastasen

Wie wird Lungenkrebs behandelt?

Je nach Art und Stadium der Erkrankung, stellen wir die Therapie individuell zusammen. Jeden Fall besprechen die behandelnden Ärzte - Lungenfachärzte, Radiologen, Chirurgen und ggf weitere Spezialisten - in der interdisziplinären Tumorkonferenz und erarbeiten die bestmögliche Behandlungsstrategie. Operation, Chemotherapie, und Bestrahlung bilden die wesentlichen Säulen, die in vielen Fällen kombiniert werden. Ziel ist es, bei einer Operation möglichst das gesamte Tumorgewebe zu entfernen und mögliche verbliebene Reste durch Bestrahlung und Chemotherapie zu minimieren. Zum Teil wird die Bestrahlung auch prophylaktisch, z. B. zur Vermeidung von Hirnmetastasen eingesetzt.

Sollten Operation und Bestrahlung nicht in Frage kommen, setzen wir bei bestimmten Subtypen neben der Chemotherapie auch neu entwickelte tumorspezifische Medikamente ein. Diese Antikörpertherapien wirken direkt in der Tumorzelle, indem sie über eine Blockade bestimmter Signalwege oder eine Hemmung des Wachstumsfaktors das Fortschreiten des Tumors gezielt verzögern. Immuntherapien arbeiten mit Wirkstoffen, die die körpereigene Immunantwort gegen Krebszellen reaktivieren. Gezielte Medikamente wirken auf inaktive Immunzellen und vesetzen sie wieder in die Lage, die Krebszellen als Fremdkörper zu bekämpfen. Häufig wird eine Antikörper- oder Immuntherapie von den Patienten besser vertragen als eine konventionelle Chemotherapie. In den letzten Jahren wurden eine Reihe dieser neuen zielgerichteten Substanzen entwickelt und als Medikament zugelassen. Weitere Studien laufen. Der Einsatz dieser Medikamente unterliegt derzeit jedoch noch strengen Auflagen, da sie zu starken Nebenwirkungen, z. B. Entzündungen gesunder Organe sowie Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, der Haut und Schleimhäute führen können.

Welche Vorteile bieten integrative Therapien?

Während des stationären Aufenthaltes in Havelhöhe verbinden wir die schulmedizinischen Therapien mit integrativen Behandlungen, die Ihnen helfen, Ihre Selbstheilungskräfte zu stärken, das Immunsystem zu aktivieren und Kräfte zu mobilisieren. Wichtig und sehr hilfreich ist zudem eine Atemtherapie, die Lunge und Bronchien stabilisiert und Sie bei Symptomen wie Kurzatmigkeit oder Atemnot unterstützt.

Als begleitendes naturheilkundliches Medikament steht zudem die Mistel zur Verfügung, die das Immunsystem stärkt und zudem die Nebenwirkungen der Krebstherapie, z.B. Symptome eines möglicherweise auftretenden Erschöpfungs- bzw. Fatiguesyndroms vermindern kann. Auch die Hyperthermie führt durch gezielt herbeigeführte Fieberreaktion zu einer Aktivierung des Immunsystems.

Weitere integrative Therapien können zusätzlich die Nebenwirkungen der Krebstherapie deutlich verringern. Dazu gehören unter anderem Bewegungs- und Körpertherapien, z.B. Heileurythmie und Rhythmische Massagen sowie Mal- und Musiktherapie. Eine zusätzliche Unterstützung sind unsere anthroposophischen Pflegetherapien, die die Regeneration fördern.

Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, eine psychoonkologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Mögliche aufkommende Ängste können Sie dort ebenso thematisieren wie Auswirkungen der Erkrankung auf Ihre familiäre Situation oder Perspektiven für die Zeit nach der Behandlung.

Unsere LungenkrebsHILFE Havelhöhe gibt Ihnen in wöchentlichen Kursen Impulse, Ihre Gesundheit weiter zu stärken. Das Angebot reicht von der Ernährungsumstellung über Entspannungskurse und Lungensport bis hin zur Tabakentwöhnung. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus können Sie die Kurse ambulant fortführen.

Ist Lungenkrebs heilbar?

Die Aussichten auf eine dauerhafte Heilung hängen insbesondere vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Je früher ein Lungenkarzinom erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Aussichten auf Erfolg. Ferner spielen Art und Ausweitung des Tumorgewebes eine Rolle.

Sollte eine kurative, das heißt eine auf Heilung ausgerichtete Therapie nicht mehr möglich sein, ist es unser Anliegen, Sie medikamentös und mit Hilfe ergänzender Therapien und Pflegemaßnahmen  bestmöglich zu unterstützen. In vielen Fällen ist es möglich, eine gute Lebensqualität für einen längeren Zeitraum zu erhalten. Dazu arbeiten wir eng mit den Experten unserer Station für supportive Krebsmedizin und der Palliativmedizin zusammen. 

Wie geht es nach dem Krankenhausaufenthalt weiter?

Eine regelmäßige Nachsorge ist wichtig, um auf Veränderungen frühzeitig reagieren und möglicherweise auftretende Rezidive gezielt behandeln zu können. Im ersten und zweiten Jahr nach der stationären Behandlung wird die Nachsorge im Abstand von jeweils drei Monaten durchgeführt. Später vergrößern sich die Abstände auf sechs bis 12 Monate. Bemerken Sie jedoch in den Zwischenphasen Veränderungen oder Beschwerden  sollten Sie sofort einen Termin bei Ihrer betreuenden Fachärztin / Ihrem betreuenden Facharzt vereinbaren.

Im Zuge der Nachsorgeuntersuchungen prüft Ihr Arzt Ihren körperlichen Allgemeinzustand sorgfältig, führt Laboruntersuchungen und ein Röntgen der Lunge durch. Weitere Untersuchungen richten sich nach individuellen Beschwerden oder dem konkreten Rückfallrisiko. Zusätzlich sind die behandelnden Ärzte bei Bedarf bemüht, durch die Vermittlung psychologischer oder ergänzender medizinischer Angebote die Lebensqualität der Patientinnen weiter zu verbesser. Adressen finden Sie auch beim Krebsinformationsdienst (https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php)

Vor Entlassung aus dem Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe erhalten Sie von unserer Nachsorge- und Studienambulanz einen Nachsorgepass, in den sämtliche Therapien und Kontrollen übersichtlich notiert werden können. Die medizinische Nachsorge erfolgt ambulant über Ihren behandelnden Fach- oder Hausarzt mit dem wir eng zusammenarbeiten.

Wir bitten Sie zudem, sich in regelmäßigen Abständen in unserer Nachsorgeambulanz zu  melden, damit wir Ihren Therapieverlauf dokumentieren können. Damit erfüllen wir als zertifiziertes Onkologisches Zentrum eine der Qualitätskriterien der Deutschen Krebsgesellschaft.

Rehabilitationsmaßnahmen

Die Reha schließt sich in der Regel an die abgeschlossene Therapie an – z. B. nach der Bestrahlung. Die Teams aus Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Sozialdienst stehen Ihnen zur Verfügung, um die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern. Der Antrag auf eine Rehabilitation kann in bestimmten Fällen bereits während des stationären Aufenthaltes gestellt werden. Der Sozialdienst unserer Klinik ist Ihnen gerne dabei behilflich und bespricht mit Ihnen zudem weitere Möglichkeiten, z. B. Anträge auf Schwerbehinderung, Hilfsmittel, etc.

Was ist Cancer related Fatigue?

Bei Fatigue handelt es sich um ein Ermüdungssyndrom mit körperlicher Schwäche, Lustlosigkeit und Traurigkeit. Hinzu kommen häufig Störungen der biologischen Rhythmen, zum Beispiel Ein- und Durchschlafstörungen, mangelnde Regenerationsfähigkeit und ein erhöhtes Stressniveau. Neben der Krebserkrankung selbst scheinen schwächende Therapien eine Ursache für das Auftreten eines Fatigue zu sein. In einem multimodalen Ansatz integrieren wir in Havelhöhe eine gezielte Aktivierung durch Bewegungsprogramme sowie auf die Symptome abgestimmte integrative Therapieangebote. Diese bewirken nicht nur ein Wiederkehren der Kraft, sondern haben auch einen positiven Einfluss auf die Stimmung. In Einzel- oder Gruppengesprächen haben Sie zudem die Möglichkeit, Informationen und Hintergründe über Fatigue zu bekommen und erhalten hilfreiche Tipps für Ihren Alltag. Darüber hinaus geben wir Ihnen Hinweise zum Stressmanagement und vermitteln Techniken zur Entspannung und Regeneration. Bei Bedarf behandeln wir das Fatigue Syndrom auch medikamentös, etwa mit Infusionen oder einer Misteltherapie.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie von einem Fatigue-Syndrom betroffen sind, wenden Sie sich an Ihre behandelnde Ärztin / Ihren Arzt. Die erfolgreiche Behandlung der Symptome ist eine entscheidende Voraussetzung zur Rückkehr in ein aktives Leben nach einer Krebserkrankung