Supportive Krebsmedizin (Supportive Care)

Die Diagnose einer Krebserkrankung und die anschließenden Therapien bringen Patienten oftmals an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit. Studien der letzten Jahre haben gezeigt: Werden bereits am Anfang bzw. in einem frühen Stadium der Erkrankung supportive, d.h. unterstützende Maßnahmen in die Behandlung integriert, kann die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert und die Lebenszeit verlängert werden (z. B. Temel 2010 (JCO), Bakitas 2015 (JCO), Zimmermann 2014 (Lancet)).

Der integrative Ansatz im Onkologischen Zentrum Havelhöhe umfasst daher nicht nur moderne Diagnostik sowie schulmedizinische und komplementäre Akuttherapien, sondern räumt der unterstützenden (supportiven) Behandlung von Erkrankungen und Symptomen, die mit der Krebserkrankung und -therapie häufig einhergehen, einen besonderen Stellenwert ein. Diese können körperlich, psychisch, sozial oder spirituell begründet sein und werden von einem interdisziplinären Ärzte-, Pflege-, Therapeuten- und Sozialdienstteam auf unserer Station für supportive Medizin betreut. Das Spektrum reicht dabei von der Behandlung von Ängsten oder Depressionen über die Linderung körperlicher Symptome, wie Übelkeit und Erbrechen, Erschöpfung und Müdigkeit (Cancer related Fatigue), Schmerzen oder Appetitlosigkeit bis hin zur Hilfe bei Schwierigkeiten im sozialen Umfeld. In diesen Fällen beginnen wir früh mit dem Aufbau ambulanter Versorgungsnetzwerke.

Unser Ziel ist es, durch die Kombination schulmedizinischer und integrativer Verfahren aus der anthroposophischen Medizin oftmals stark ausgeprägte Symptome zu lindern, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und damit langfristig die Lebensqualität und die weiteren Heilungschancen zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Misteltherapie, die individuell, gegebenenfalls intensiviert, zum Einsatz kommt. Aktuelle Studien weisen auf positive Effekte der Misteltherapie bei Tumorpatienten hin. Ein Aufenthalt auf der Supportivstation kann helfen, die Patienten insgesamt zu stärken und gegebenenfalls den Weg für weitere antitumorale Therapien vorzubereiten bzw. diese zu begleiten.

Behandlungsschwerpunkte

  • Verbesserung der Voraussetzungen für die Durchführung onkologischer Therapien
  • Verminderung unerwünschter Nebenwirkungen potentiell toxischer Therapien
  • Lindern krebsbedingter Symptome
  • Ernährungs- und Verdauungsprobleme, starke Übelkeit, Erbrechen
  • Kachexie (Auszehrung)
  • Erschöpfungssyndrome, Cancer related Fatigue (CRF)
  • therapieresistente Schmerzen
  • Störungen der Atmung
  • Ängste, Depressionen, Umgang mit krankheitsbedingter psychischer Belastung

Leistungsspektrum

Kombination aus moderner Schulmedizin und integrativer Medizin/anthroposophischer Medizin:

  • Durchführung krebsspezifischer Therapien in enger Kooperation mit dem onkologischen Therapiezentrum im Haus (Chemotherapie, Antikörpertherapie etc.), sowie Kooperation mit Strahlentherapie, Chirurgie, Gynäkologie, Urologie u.a. Fachdisziplinen nach Bedarf
  • moderne Diagnose- und Therapieverfahren zur Schmerz- und Beschwerdelinderung
  • interdisziplinäre Tumorkonferenz
  • symptom- und ressourcenorientiertes Vorgehen mithilfe von standardisierten pflegerischen und ärztlichen Aufnahmegesprächen (Assessments)
  • Förderung gesundender Ressourcen (Salutogenese) und des Rehapotentials
  • Misteltherapie
  • Hyperthermie
  • Integrative Ansätze, z. B. Musiktherapie, Therapeutisches Malen und Plastizieren, Heileurythmie
  • Rhythmische Massage und Lymphdrainage
  • Pflegerische Anwendungen: Rhythmische Einreibungen und Wickel/Auflagen
  • Physiotherapie
  • Psychotherapeutische Gespräche / Psychoonkologie
  • Ernährungsberatung
  • Sozialberatung
  • Seelsorge