Pflegeexperten (APN) im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe hat die Pflege einen besonders hohen Stellenwert. Deshalb schulen und qualifizieren wir unsere Pflegekräfte kontinuierlich und bieten ihnen die Möglichkeit, sich theoretisch und praktisch weiter fortzubilden. Seit 2015 arbeiten in unserer Klinik zudem Pflegeexperten, ein Berufsbild, das sich in Deutschland erst seit kurzem etabliert. In der Schweiz und dem anglo-amerikanischen Raum bringen bereits viele 'Advanced Practitioner Nurses' (APN) ihre in Studium und langjähriger Berufserfahrung erworbenen Qualifikationen in die Pflegeteams ein.

Clemens Rabes ist seit 2015 im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe. Der studierte Pflegewissenschaftler und Krankenpfleger ist viel auf den Stationen unterwegs, um die Qualitätsstandards weiter auszubauen. Momentan liegt ihm das Thema Mangelernährung besonders am Herzen, eine Begleiterscheinung vieler Erkrankungen. So können zum Beispiel onkologische, geriatrische oder Patienten mit Lungenerkrankungen oft nicht genug Nährstoffe aufnehmen und geraten zum Teil schleichend in eine Mangelernährungssituation.

Hannelore S. (Name von der Redaktion geändert) leidet seit mehreren Schlaganfällen an einer Dysphagie. Sie kann nicht mehr richtig schlucken und wird deshalb über eine PEG-Sonde ernährt. Clemens Rabes hat mit ihr gesprochen und verschiedene Aspekte eines standardisierten Screening-Fragebogens überprüft: von der Entwicklung des Gewichts über die Schwere der Erkrankung, möglichen Magen-Darm-Symptomen bis hin zu Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit. Zudem bezieht er Laborwerte ein und untersucht die Patientin. „Ich achte außerdem auf bestimmte Symptome, die auf einen Nahrungs- oder Flüssigkeitsmangel hindeuten, etwa plötzliche Verwirrtheit. Auch unter bestimmten Krankheitsverläufen erhöht sich der Nährstoffbedarf, zum Beispiel bei Fieber, Blutverlusten oder Erbrechen. Manchmal ist es aber auch nur zu weit gewordene Kleidung, die mich aufmerksam werden lässt“, erläutert Clemens Rabes.

Im nächsten Schritt fahndet er nach den Gründen des Nahrungsmangels, um die Situation richtig bewerten und darauf reagieren zu können. Nicht immer liegen sie so klar auf der Hand wie bei der Schluckstörung von Frau S. Gerade bei älteren Menschen können kognitive, körperliche oder psychische Beeinträchtigungen, etwa Demenzerkrankungen, Zahnprobleme oder eine Depression die Ursache für mangelnde Nährstoffaufnahme sein. All diese Faktoren werden im sogenannten Assessment systematisch abgefragt und erfasst. Im Anschluss ist es dann möglich, das Risiko einer Mangelernährung zu bewerten und entsprechende Maßnahmen zu veranlassen. Pflegeexperte Clemens Rabes arbeitet dabei eng mit den betreuenden Pflegenden, den behandelnden Ärzten und anderen Therapeuten, etwa Ergotherapeuten, Logopäden und Ernährungsberatern, zusammen. Sein Ziel ist es, auf die beschriebenen Phänomene und Hintergründe aufmerksam zu machen und sie in die täglichen Routinen auf den Stationen zu integrieren. Wichtig ist außerdem der Kontakt zu  den Angehörigen der Patienten. So führte er auch im Fall von Frau S. ein gemeinsames Gespräch mit ihr und ihrem Ehemann, um beide für das Thema zu sensibilisieren.

Aufmerksamkeit erzeugen, messen, einschätzen, bewerten. Diese Schritte kennzeichnen die Arbeit der Pflegeexperten in Havelhöhe und haben allesamt das Ziel, die Patientenversorgung weiter zu optimieren. Zur praktischen Tätigkeit mit den Patienten kommt die wissenschaftliche hinzu: Durchsicht und Bewertung aktueller Literatur, überarbeiten von Pflegekonzepten, erarbeiten neuer Standards und Evaluation der Patientendaten. Und natürlich die Schulung der Pflegenden, um das Wissen weiterzutragen und auf den Stationen zu verankern.

Zusätzlich ist es den Pflegeexperten in Havelhöhe ein Anliegen, das neue Berufsbild in Fachkreisen weiter zu verbreiten. Sie schreiben Artikel in Fachzeitschriften, gehen auf Tagungen und halten Vorträge auf Kongressen. Das Interesse, die Pflegeexpertise an Krankenhäusern zu erweitern, zu vertiefen und wissenschaftlich zu fundieren wächst stetig.

Mehr Informationen über die Arbeit der Pflegeexperten finden Sie im Artikel "Das Bestmögliche für den Patienten herausholen" von Andrea Weskam in der Zeitschrift "Die Schwester/Der Pfleger", Heft 3/2017.