Heileurythmie

Die Heileurythmie ist aus der Anthroposophie heraus entstanden und von Rudolf Steiner entwickelt worden. Das Wort Eurythmie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so etwas wie "schöne fließende Bewegung".

 

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Nach Steiner hatte der Grieche damals noch die Möglichkeit, alles was er sah, dachte oder sprach gleichzeitig als Bewegung in sich mitzuerleben. Denken, Fühlen und Bewegen beziehungsweise Handeln waren bei ihm harmonisch ineinandergefügt. Genau dieses möchte die Eurythmie wieder in den Menschen hineinbewegen, und zwar als sprachlich geführte Bewegung. Rudolf Steiner konnte aufgrund seiner besonderen Befähigung diese "Spracherlebnisbewegung" im menschlichen Organismus wahrnehmen, die uns normalerweise völlig unbewusst ist. Er machte zu den einzelnen qualitativen Bewegungsformen jedes Lautes konkrete Angaben, so dass sie von den damaligen Eurythmisten geübt werden konnten. Daraus entstanden einmal eine neue Bühnenkunst, eine pädagogische Fachrichtung für die Waldorfschulen, eine sogenannte hygienische Eurythmie für jedermann und zum Schluss die Heileurythmie.

 

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Wohl für jeden, der die Heileurythmie kennenlernt, ist das Überraschende, dass auf Sprache bewegt werden soll. Für uns Erwachsene ist der Zusammenhang von Bewegung und Sprache weitgehend verlorengegangen. Dabei können im Grunde alle unsere Gliedmaßentätigkeiten und Körperhaltungen in eine eurythmische Bewegung übergeleitet werden. Nehmen wir zum Beispiel die rollende Bewegung des "R" wie sie in der Eurythmie mit den Armen, Beinen oder dem ganzen Leib ausgeführt wird, und denken wir dazu an Tätigkeiten wie R-ennen, R-adeln, R-udern, R-eiten, wo die Sprache diese kreisende Bewegung übernommen hat. Ist daraus nicht erkennbar, dass diese aus einem unmittelbaren Bewegungserlebnis heraus entstanden ist? Ein weiteres Beispiel wäre das Ausdrücken von Empfindungen in der Sprache wie beim staunenden oder überraschten "Ah" oder "Ach". Werden da nicht oft die Arme mit dem Laut geöffnet oder es bleibt uns zumindest der Mund offen stehen? In der Heileurythmie verbindet sich der Laut "A" mit einer sich öffnenden Winkelgebärde der Arme oder Beine und wirkt so lösend auf bestimmte Bereiche des Stoffwechselgeschehens.

Wie geht dies nun in der Heileurythmiepraxis vor sich? Der Therapeut spricht beziehungsweise tönt einen Sprachlaut so, dass sein Klang den Raum ausfüllt. Da hinein bewegt der Patient stumm die entsprechende Gebärde, so wie sie gemeinsam erübt wurde. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis die zu dem Laut gehörende Bewegung verinnerlicht worden ist. Übt der Patient für sich allein, was wesentlicher Bestandteil der Therapie ist, da die regelmäßige Wiederholung erst die angestrebten Prozesse in Gang bringt, so konzentriert er sich innerlich auf den entsprechenden Laut während die Übungen dazu ausgeführt werden.

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Auf diese Weise führt die bewusst ausgeübte Sprachbewegung wieder zurück ins Innere und kann dort die wesenseigene Struktur neu aktivieren und stärken. Genau dieses wird nun in der Therapie gezielt eingesetzt, um bestimmte Defizite auszugleichen und das "aus der Bewegung Geratene" in seinen ursprünglichen organischen Bewegungsfluss oder in seine Form zurückzuführen.
Die Heileurythmie kann in jeder Altersstufe und bei jeder Krankheit, Störung oder Behinderung, sowohl im Physischen als auch im Psychischen, angewandt werden. Ausnahmen sind fiebrige Krankheiten; hier sollte der akute Schub erst abgewartet werden.

Der Arzt gibt die Diagnose und die Richtung für den Übungsansatz an die Heileurythmisten, die diesen als Grundlage für das therapeutische Konzept aufnehmen. Die angelegten Übungen werden vom Patienten regelmäßig weitergeübt. Dies wird von den meisten Menschen sehr gerne in Anspruch genommen, spüren sie doch häufig schnell die wohltuende und verändernde Wirkung.

Storch Geburtshilfe